RUDOLF WIESNER & SEBASTIAN HAGER
WACHSTUM MIT BAU UND SITZMÖBELN
Rudolf Wiesner, ein Enkel des Firmengründers, gründet 1921 mit seinem Stiefbruder Sebastian Hager die erste Handelsgesellschaft „Rudolf Wiesner und Sebastian Hager Baugeschäft und Holzindustrie“. Im selben Jahr beginnt das Unternehmen Möbel herzustellen. Wiesner-Hager steigt zu einem der bedeutendsten Erzeuger von Sitzmöbeln und Tischen auf und gehört Mitte der 1950er-Jahre mit über 600 Beschäftigten zu den 25 größten Industriebetrieben in Oberösterreich. „Sitzmöbel, die sitzen.“: Das ist lange Zeit der allseits bekannte Slogan dieses Kapitels der Unternehmensgeschichte. Zimmerei und Baugeschäft erstellen Gebäude und Hallen für den stetig wachsenden Betrieb und errichten Häuser und Wohnanlagen für die steigende Zahl an Mitarbeitenden, die mit günstigen Krediten und Baumaterialien unterstützt werden.
MÖBEL FÜR PRESTIGEBAUTEN
MARKE WIESNER-HAGER
Ein Highlight in der Geschichte ist der Export von Gartenmöbeln nach England in den Jahren 1928 bis 1930, die in den verschiedenen englischen Kolonien und als Deck-Chairs auf Passagierschiffen Verwendung finden. Maßgeblichen Anteil daran hat Laurenz Reinthaler, der 1924 als Absolvent der Hochschule für Welthandel in das Unternehmen eintritt und zu einer bestimmenden Persönlichkeit bei Wiesner-Hager Möbel wird. Namhafte Kulturinstitutionen, wie die Salzburger Festspiele, das Burgtheater in Wien und das Kolosseumkino in Linz werden mit Möbeln von Wiesner-Hager eingerichtet.
EIGENE ANLAGEN
ENERGIE AUS BIOMASSE
Energie, in Form von Wärme und elektrischem Strom, ist seit Beginn der Industrialisierung ein wichtiger Produktionsfaktor. Unternehmen wollen deshalb eigenständig und unabhängig sein. Schon 1938 wird auf dem Firmengelände von Wiesner-Hager die erste Kraft-Wärme-Kopplung-Anlage gebaut, die mit den betrieblichen Holzabfällen befeuert wird. Seither versorgt sich der Betrieb durchgehend mit eigener Energie aus Biomasse. Aufgrund des hohen Gesamtwirkungsgrades war das von Anfang an hochmodern. Bis heute leisten die Anlagen außerdem einen wesentlichen Beitrag zur positiven Umweltbilanz des Unternehmens.
THERESIA WIESNER UND KRESZENTIA HAGER
FRAUEN IN DER FÜHRUNG
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden viele Angehörige deutscher Minderheiten aus Siebenbürgen und dem Banat vertrieben. Sie finden Arbeit bei Wiesner-Hager. Weil sie alles verloren haben, werden sie von der Firma bei der Errichtung von Eigenheimen großzügig unterstützt. Theresia Wiesner, Ehefrau von Rudolf Wiesner, die die Lohnbuchhaltung verantwortet, kümmert sich persönlich um die Sorgen und Nöte der Mitarbeitenden. Diese soziale Tat festigt die jahrelange Bindung tüchtiger Mitarbeiter:innen an das Unternehmen und den Ruf als sicherer und verlässlicher Arbeitgeber.
Meine Großmutter war unermüdlich. Das Gedeihen des Betriebes und das Wohl aller Mitarbeitenden standen im Zentrum allen Handelns. Sie ist täglich um 4 Uhr in der Früh aufgestanden, war um 6 Uhr in der Kirche und ab 7 Uhr in der Firma.
Eine weitere Frau übernimmt in der dritten Generation eine Führungsrolle im Unternehmen. Als Sebastian Hager 1944 unterwartet früh stirbt, tritt seine Gattin Kreszentia Hager an seiner Stelle als erste weibliche Gesellschafterin in das Unternehmen ein. Sie hat zuvor schon jahrelang in der Kundenverrechnung im Betrieb mitgearbeitet.
ÜBERGANG ZUM HOLZLEIMBAU
INNOVATIVE TRAGWERKE
Der Begeisterung von Gründer-Urenkel Erich Wiesner sen. ist es zu verdanken, dass Mitte der 1950er-Jahre neue Wege im Zimmerhandwerk beschritten werden. Gemeinsam mit Max Hochreiner, seinem aus Studienzeiten bekannten Freund und späteren Schwager, greift er die Techniken des Holzleimbaus auf und entwickelt diese weiter.
1953 wird die Lizenz für die Herstellung von DSB-Trägern erworben. Diese neue Technik der Fachholzkonstruktion spart Material und ermöglicht größere Spannweiten. Schon 1957 kann der 100. WIEHAG Dachstuhl gefeiert werden.
1958 startet WIEHAG mit der Produktion von Kämpf-Stegträgern. Basismaterial für diese Technik sind Bretter, die hochkant, lagenweise um ca. 15 Grad verschränkt, flächig verleimt werden. Es handelt sich um eine ressourcenschonende Bauweise, die allerdings sehr arbeitsintensiv ist.