Wirtschaftlich-ökologischer Holzbau gewinnt auch im Kommunalbau an Bedeutung
Das Altheimer Holzbauunternehmen WIEHAG hat am 7. Mai in Hannover den Deutschen Holzbaupreis 2013 für das Projekt Finanzamt Garmisch-Partenkirchen erhalten. Die Preisverleihung fand durch den Bund Deutscher Zimmermeister „Holzbau Deutschland“ in der Kategorie Neubau statt, und wurde im Rahmen der Messe Ligna, der Weltmesse für die Forst- und Holzwirtschaft, in einer Sendung von ligna.tv übergeben. Insgesamt wurden fünf Bauwerke ausgezeichnet.
Das Finanzamt Garmisch-Partenkirchen gilt als besonders auszeichnungswürdig:
- Die Einfachheit der Konstruktion zeigt die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Holzbaus durch seinen hohen Vorfertigungsgrad. Hochmoderne, präzise Produktionsanlagen, so auch im Holzbauunternehmen WIEHAG, ermöglichen eine kurze Bau- und Montagezeit.
- Der Kohlendioxid speichernde, nachwachsende Rohstoff Holz gewinnt in der Energiewende an essenzieller Bedeutung. Auch das Energieversorgungskonzept des Gebäudes ist auf die Nutzung natürlicher Ressourcen ausgelegt.
- Weiters ist das Finanzamt Garmisch-Partenkirchen ein wesentliches Vorzeigeprojekt für eine nachhaltige Entwicklung auch bei Kommunalbauten. Durch einen Beschluss des Bayerischen Landtages werden staatliche Verwaltungsgebäude bevorzugt in Holzbauweise umgesetzt. So auch der Neubau des Finanzamtes durch den Bauherrn Staatliches Bauamt Weilheim.
- Holz schafft als natürlicher Baustoff eine klimafreundliche Atmosphäre und besticht in der Holzbauarchitektur durch seine ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten.
Eine Fachjury unter Leitung des Architekten Prof. Dipl-Ing. Hermann Kaufmann wählte aus 226 eingereichten Arbeiten die Preisträger aus. Die Jury lobte das Gebäude des Münchner Architekten Reinhard Bauer als gestalterisch und konstruktiv ausgereiftes Vorzeigeprojekt der öffentlichen Hand. Alle eingereichten Bauwerke stehen für eine positive Entwicklung des Holzbaus von anspruchsvollen Neubauten über erfinderische Gebäudesanierungen bis zu zukunftsweisenden Entwicklungen. So zeigt auch die Bauweise und Architektur des Finanzamts Garmisch-Partenkirchen die nachhaltigen Möglichkeiten des Holzbaus.
Würdigung der Jury – wegweisende Holzkonstruktion im Kommunalbau
„Das Finanzamt überzeugt als gestalterisch ausgereiftes Vorzeigeprojekt der öffentlichen Hand für moderne Holzbauten. Der ambitionierte Beschluss des Bayerischen Landtages, bei staatlichen Verwaltungsgebäuden die Holzbauweise bevorzugt umzusetzen, hat hierdurch ein gestalterisch und konstruktiv gelungenes Modell geschaffen. Die geradlinige Grundrisskonzeption aus zwei parallelen Zweibündern sowie die Konstruktion als Stützen-Platten-Konstruktion aus Brettschichtholzstützen und elementierten Hohlkastendecken reflektieren die Disziplin und Vorfertigungsmöglichkeiten des Holzbaus. Das Energiekonzept einer 45-prozentigen Unterschreitung der EnEV 2009 rundet ein zukunftsfähiges Konzept ab. Die undramatische und dennoch prägnante Architektursprache ordnet sich wohltuend in die umgebende Landschaft ein und schafft ein ruhiges und fast meditatives Ambiente. Ein gelungenes Beispiel für ein Verwaltungsgebäude, das in dieser Größenordnung sicher wegweisend für den zukunftsfähigen Verwaltungsbau sein wird.“
Gebäudekonstruktion – hoher Vorfertigungsgrad, kurze Bauzeit
Das 2-geschossige Gebäude ist eine elementierte, vorgefertigte Holzkonstruktion mit filigranen Stahlstützen im Fassadenbereich, Holzstützen aus Brettschichtholz in der Mittelzone und Hohlkastenelementen aus beplankten Brettschichtholzrippen im Erd- und Obergeschoss. Diese einfache Stützen-Platten-Konstruktion aus Brettschichtholzstützen und elementierten Hohlkastendecken, wurden im WIEHAG-Werk vorgefertigt und binnen drei Monaten auf der Baustelle zusammengesetzt.
Die geschlossenen Fassadenflächen sind als hinterlüftete Holzkonstruktionen mit einer vorgesetzten Lärchenholzlattung gefertigt, und wurden in Längen bis zu 18 Metern angeliefert und montiert. Alle verglasten Bereiche bestehen aus Holz-Aluminium-Fenstern mit einer 3-fach Verglasung. Die Innenwände der Büroräume sind überwiegend nichttragende Leichtbauständerkonstruktionen. Innenhofseitig wurden diese mit Holzwerkstoffplatten verkleidet. Die restlichen Flurtrennwände sind in weiß beschichteter Gipskartonoberfläche ausgeführt.
Energieversorgungskonzept - nachhaltige energetische Nutzung
Das Hauptaugenmerk des Versorgungskonzeptes liegt in der Nutzung natürlicher Ressourcen. Die Wärmeerzeugung der Heizungsanlage erfolgt über eine doppelte Wärmepumpenanlage mit zwei Saugbrunnen. Dem geförderten Grundwasser wird im Winter zur Wärmegewinnung Heizenergie entzogen, im Sommer wird es für eine Bauteilkühlung eingesetzt. Der Primärenergiebedarf unterschreitet die Anforderung der ENEV 2009 um 42 Prozent – ohne jegliche CO2-Emissionen. Im Rahmen des Neubaus wurde auf dem Nebengebäude eine Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von rund 30 kWp errichtet, mit der die Erzeugung von zirka 12 Tonnen CO2 vermieden werden kann.



















